Säugling in Hof ausgesetzt: Kommt die Mutter aus dem Vogtland?
Neugeborenes Mädchen in rosa Laken eingewickelt - Wäschestück in Pausa produziert - Babyklappe für Plauen
Der Aufnäher des rosa Laken, in dem das ausgesetzte Kind abgelegt wurde.
Foto: Polizei
Hof/Pausa/Plauen. Eine noch unbekannte Mutter, womöglich aus dem Vogtland, hat ihr neugeborenes Mädchen in der Nacht zum Montag im Foyer der Hofer Sparkassenfiliale an der Michaelisbrücke ausgesetzt. Eingewickelt in ein rosafarbenes Laken entdeckten es dort um 1.40 Uhr zwei Männer, die zum Geldautomaten wollten. Sie verständigten die Polizei. Das Baby kam sofort ins Klinikum Hof, wo ihm ein guter gesundheitlicher Zustand attestiert wurde.
Jetzt suchen die Behörden nach der Mutter des Säuglings. Nach den ersten polizeilichen Ermittlungen lag das Neugeborene wahrscheinlich ab Mitternacht dort. Der Säugling war so im Eingangsbereich postiert, dass er nicht übersehen werden konnte. Das lässt laut Polizeisprecher Rainer Tröger den Schluss zu, dass die Mutter in einer psychischen Ausnahmesituation gehandelt hat. In jedem Fall habe sie wohl eine möglichst rasche Entdeckung ihres Neugeborenen gewollt.
Die Polizei appelliert an die Mutter, sich zu melden oder vertrauensvoll Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Beamten haben umfangreich Spuren gesichert und sind zuversichtlich, die Frau zu finden. Eine Auffälligkeit gibt es am 1,20 mal 2,20 Meter großen rosafarbenen Laken. An ihm ist ein Etikett angenäht: "VEB Wäscheunion, Textilwerke Elsterberg, Werk V Pausa-Konfektion 2, 6576 Pausa". Das Laken stammt also aus dem Vogtland und aus der Zeit vor 1990. Außerdem bittet die Polizei um Hinweise auf Frauen, bei denen eine Schwangerschaft bekannt war oder es Anzeichen dafür gab, die jetzt aber ohne Kind sind.
Die Sparkasse hat der Polizei Aufzeichnungen aus der Filialüberwachung übergeben. Man sei froh, dass der Säugling wohlauf ist, sagte ein Sprecher. Noch muss das Baby im Klinikum bleiben. Sollte sich die Mutter weder melden noch eine Spur zu ihr führen, wird sich das Jugendamt um Pflegeeltern für das Mädchen bemühen.
Im September 2001 war in der Plauener Sparkassenfiliale an der Neundorfer Straße ein neugeborenes Baby ausgesetzt worden. Die Mutter des Jungen wurde nie ermittelt. "Findelkind Max" ist seit Januar 2003 von einer Familie außerhalb Plauens adoptiert. Um werdenden Müttern in Notlagen zu helfen, hat der Sozialausschuss des Plauener Stadtrates im August das Einrichten einer Babyklappe beschlossen. Dort könnten Neugeborene anonym abgelegt werden. Die technische Umsetzung am Vogtlandklinikum ist noch im Gange. (mit jani, ach, tb)
Stichwort
Kindesaussetzung
Wer einen Menschen in hilfloser Lage im Stich lässt, obwohl er ihn in seiner Obhut hat, begeht nach Paragraf 221 Strafgesetzbuch eine Straftat. Sie wird mit Freiheitsstrafe ab drei Monaten geahndet. "Auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter die Tat gegen sein Kind oder eine Person begeht, die ihm zur Erziehung oder Betreuung anvertraut ist", heißt es.
Von Dieter Feustel
Erschienen am 17.11.2008
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