Firma Bauerhin schickt 70 Leute auf die Straße
Rest der Belegschaft in Kurzarbeit - Grund: Krise der Automobilindustrie
Falkenstein. Die Krise der deutschen Automobilindustrie fordert im Vogtland immer mehr Opfer: Die Firma Bauerhin Elektrowärme im Falkensteiner Ortsteil Trieb musste im November 70 ihrer etwa 200 Beschäftigten entlassen. Dabei handelt es sich um Leiharbeiter und Stammpersonal, so Prokurist Sven Seidel. Der Rest der Belegschaft ist in Kurzarbeit.
"Wenn keine Autos gebaut werden, werden keine Teile von uns benötigt und wir können keine verkaufen", sagt Seidel. Laut einem Bericht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird Hersteller von Sitzkomfort und Sensorik an seinem Standort im hessischen Gründau-Rottenbergen bis zum Frühjahr 150 Mitarbeiter entlassen.
Nach Seidels Worten werden in Trieb Sitzheizungen für BMW, Mercedes und Audi hergestellt. Zwar seien für 2009 noch keine Aufträge storniert worden. Doch da es eine Vorlaufzeit von etwa vier Wochen gibt, rechnet er damit, dass Aufträge im Dezember noch zurückgezogen werden. Besonders tragisch seien die Entlassungen, da die Belegschaft erst 2007 von 135 auf 200 Mitarbeiter aufgestockt worden ist.
Alternativen zur derzeit bei Bauerhin laufenden Produktion sieht der Prokurist keine: "Es ist sehr schwierig, neue Produkte aufzunehmen. Bis vor ein paar Jahren ist uns das mit der Herstellungen von Heizkissen und Ähnlichem gelungen." Dann hätten Billigprodukte aus Fernost den Markt kaputt gemacht.
In der Agentur für Arbeit Plauen haben derzeit zwölf Autozulieferbetriebe aus dem Vogtland Kurzarbeit angemeldet. "Betroffen sind davon etwa 350 Personen, wenn alle gemeldeten wirklich in Kurzarbeit gehen", so Silke Steinkampf, Sprecherin des Hauses. Die Betroffenen erhalten eine Leistung, die dem Arbeitslosengeld, also etwa 60 Prozent der bisherigen Bezüge, entspricht.
Gezahlt werden kann das Kurzarbeitsgeld maximal zwölf Monate. Die betroffenen Firmen müssten nachweisen, dass keine unternehmerischen Fehlentscheidungen für die Kurzarbeit verantwortlich sind, und ihre Kennzahlen offen legen. Problematisch könnte es für die Firmen werden, wenn es eine Zeit lang gar keine Einnahmen gibt: Denn Arbeitgeberabgaben wie Kranken- und Rentenversichrung müssten trotzdem gezahlt werden.
"Wir haben gespürt, dass die Unternehmen versuchen, ihre Stammbelegschaft zu halten. Die haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht, dass Fachkräfte immer schwerer zu finden sind", so Thomas Knabe von der IG Metall in Zwickau. Bei den Leiharbeitskräften sei es nach seiner Auffassung so, wie es die Gewerkschaften vorausgesagt haben: "Der Klebeeffekt an den Unternehmen ist nicht besonders groß. Sie sind bei Kündigungen als erste betroffen."
Von Lutz Hergert
Erschienen am 17.11.2008
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