Dorfläden haben schweren Stand
Bürokratie ist Hauptkritikpunkt beim Forum zur Nahversorgung im ländlichen Raum
Der Niederbobritzscher Lebensmittelhändler Wolfgang Fiedler holt seine Kunden aus Naundorf und Hilbersdorf zum Einkaufen mit dem Shuttle-Bus ab.
Foto: Eckardt Mildner/Archiv
Freiberg. Kleine Händler auf dem Land haben nicht nur mit dem Bevölkerungsschwund und der Konkurrenz von Großmärkten in der Stadt, sondern auch mit der Bürokratie zu kämpfen. Das hat das Forum "Nahversorgung im ländlichen Raum" bestätigt, zu dem der Verein Landschaf(f)t Zukunft und der Verein zur Entwicklung der Vorerzgebirgsregion Augustusburger Land in Freiberg eingeladen hatten.
Vor etwa 30 Betroffenen - vom Hilbersdorfer Mini-Markt über eine Erdmannsdorfer Konditorei bis hin zum Fotoladen - schilderte Falkenaus Bürgermeister Martin Müller (AUW) die Schwierigkeiten, in seinem Ort, einen Tante-Emma-Laden einzurichten. Überlegungen dazu habe es schon seit 1990 gegeben, als vor drei Jahren der letzte Laden mit Waren des täglichen Bedarfs in Falkenau geschlossen wurde, sei das Projekt intensiviert worden.
Auf Grund wechselnder Richtlinien musste mehrfach umgeplant werden. Am 17. Dezember soll der Gemeinderat nun die Aufträge für den Umbau des ehemaligen Kinos auslösen. Er hoffe, dass das Geschäft im April öffnen kann. Die Betreiber-Genossenschaft sei am 9. Oktober mit rund 180 Mitgliedern gegründet worden. Von der angestrebten Kapitaleinlage in Höhe von 20.000 Euro seien bereits 14.500 Euro eingeworben, so Müller: Die Bürokratie hat uns am meisten bedrückt."
In rund 90 Prozent der Gemeinden Südwestsachsens gebe es noch einen Bäcker und einen Fleischer, erläuterte der Leipziger Unternehmensberater Ulrich Kollatz. Allerdings gebe es in den Altkreisen Freiberg/Mittweida auch zehn Gemeinden ohne oder nur mit teilweiser Nahversorgung. Die 500 mobilen Händler und 220 Wochenmärkte im Freistaat könnten diese Lücke nicht füllen, so Kollatz. Da die Mobilitätskosten und der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigen, hätten Dorfläden mit kurzen Wegen eine Chance, wenn sie auch als Treffpunkt der Bürger dienen. (JAN)
Erschienen am 17.11.2008
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