Lärmgeplagte finden kein Gehör
Anwohner der Autobahn in Glösa streiten schon zweieinhalb Jahre mit Behörden -Bei Klage soll die Stadt helfen
Sie hoffen auf weitere Hilfe von der Stadtverwaltung: Anwohner der Autobahn A 4 mit Stadtrat Günter Meyer (2. v. re.) auf der Brücke Corinthstraße vor der hier unterbrochenen Lärmschutzwand.
Foto: Andreas Seidel
Chemnitz. "Überall in Deutschland gibt es mindestens nachts Geschwindigkeitsbegrenzungen, wenn Autobahnen durch Städte führen. Nur durch Chemnitz darf man mit 300 Sachen brettern", schimpft Peter Willer, der als Fernfahrer viel herumkommt. Zuhause ist er seit 1973 in Glösa und schreckt seit dem sechsspurigen Ausbau der A 4 trotz geschlossener Fenster oft aus dem Schlaf. "Das passiert bei besonders viel Krach, aber auch, wenn plötzlich totale Ruhe herrscht, zum Beispiel bei Vollsperrung nach Unfällen", erzählt er.
Gemeinsam mit mehreren Nachbarn und dem Vorsitzenden ihrer Bürgerinitiative, Günter Grimmer, war Peter Willer am Montagnachmittag zur Corinthstraße gekommen, um mit Tiefbauamtsleiter Bernd Gregorzyk über das weitere Vorgehen im Streit mit der Autobahnbaubehörde Deges zu sprechen. "Seit zweieinhalb Jahren unterstützen wir die Bürgerinitiative jetzt schon, vor einem Jahr hat sich auch die Stadt eingeschaltet - außer vagen Zusagen gibt es keinerlei Fortschritt", sagte Stadtrat Günter Meyer (Perspektive). Er und Stadträte der Linken sowie Landtagsabgeordneter Andreas Hähnel (CDU) haben sich für die Lärmgeplagten eingesetzt, aber bisher nichts erreicht.
Dabei steht schon seit geraumer Zeit fest, dass die 10,50 Meter hohen Lärmschutzwände beiderseits der Autobahn falsch berechnet wurden: Die Deges war von einer durchgehenden Wand ausgegangen - ohne Lücke für die Brücke an der Corinthstraße. In diesem Bereich überschreitet der Schallpegel nachts den erlaubten Wert um bis zu zehn Dezibel. Doch weder ein von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten noch eine Petition an den Bundestag konnten die bundeseigene Deges bisher zum Nachbessern bewegen. Die Antwort auf eine zweite Petition der Glösaer steht noch aus. "Allein einen Rechtsstreit zu führen, wäre zu riskant", sagte Grimmer. Gregorzyk sicherte den Anwohnern weitere Hilfe zu. Ob das auch für den Gang vor Gericht gilt, ließ er aber offen.
Von Michael Brandenburg
Erschienen am 17.11.2008
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