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Freie Presse - Lokalredaktion Chemnitz

Volkstrauertag einmal anders

Stilles Gedenken und außergewöhnlicher Rundgang auf Städtischem Friedhof - Geschichtskurs entlang der Gräber


Marianne Hecht (rechts) zeigt die Grabstätte der Familie Böhme. Die Einfassung zeigt ein Geländer aus der Zeit des Jugendstils.

Foto: Andreas Seidel

Eine Woche vor Totensonntag zog es bereits Hunderte Chemnitzer auf den Städtischen Friedhof, um zum Volkstrauertag die Gräber ihrer Familienangehörigen für den Winter vorzubereiten. Mehrere Blumenhändler säumten die Fußwege entlang der Reichenhainer Straße. Seit 13 Jahren zum Kult geworden sind die monatlichen Sonntagsführungen mit Hobby-Historikerin und ehemaliger Stadtführerin Marianne Hecht. Mehr als 50 Gäste erfuhren am Sonntag Geschichten über außergewöhnliche Todesfälle, Kriegsgräber und Ehrenhaine, besonders für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Besondere Grabstätten

Gedenkstein an die ersten Opfer des Ersten Weltkrieges, die 1916 bei der Schlacht von Verdun gefallen sind: Alfred Roth-Bernstein und Gerhard Cletus Weidmüller.

Das Grabmal von Dr. Heinrich Sturm, 1908 Oberbürgermeister von Chemnitz: ziert das Stadtwappen, was nur wenigen Einwohnern erlaubt ist. 1917 starb Sturm an einer Blinddarmoperation. Er ließt Theaterplatz und Rathaus bauen.

Heldenhain für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges: Stele mit Walküre, ein Teil der Lanze fehlt.

Grabmal der Familie Langer: Otto Langer, Leutnant der Reserve, fällt 1917, ein Sandsteinbau mit Säulen und Pflanzenornamenten fasziniert.

Kriegerdenkmal 1914 bis 1918: in Form einer Granate, das mit Efeu überwachsen ist und an das 104. Regiment erinnert.

Ehrenhain für rund 2100 Opfer des Bombenangriffs am 5. März 1945 auf Chemnitz: Bildhauer Hans Dietrich errichtet einen Gedenkstein aus rotem Porphyr, eine trauernde Frau mit ihrem Kind steht im Mittelpunkt.

Familiengrab Hunger: Die gesamte Familie wurde am 5. März 1945 beim Bombenangriff ausgelöscht. Sie saß gerade beim Kaffeetrinken auf der Terrasse eines Hotels der Stadt.

Meinungen

Annelies Martin (87): "Ich bin das achte Mal dabei. Zum Volkstrauertag - ich habe meinen Vater und Bruder im Krieg verloren - ist dieser Rundgang sehr anschaulich.

Petra Borchart mit den Töchtern Candy (12) und Janine (11): "Mein Vater wurde vor zwei Jahren nebenan auf dem Friedhof begraben. So eine Führung ist ein Geschichtskurs, besonders für junge Leute."

Marcus Legner (29):"Das ist interessante und außergewöhnliche Geschichte von Chemnitz."


Von Bettina Junge

Erschienen am 16.11.2008

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