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Kultur

Ausstellung befasst sich mit "Medium Religion"

ZKM in Karlsruhe gibt mit 70 Arbeiten Einblick in eine religiös-politische Bilderwelt


Foto: ddp

Karlsruhe (ddp-bwb). Mit der medialen Seite der Religion setzt sich ab Samstag eine Ausstellung im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe auseinander. In der Schau mit dem Titel "Medium Religion" sind aktuelle Beispiele religiöser Propaganda genauso zu sehen wie Werke zeitgenössischer Künstler. Die Bandbreite reicht von Bekenntnissen religiös motivierter Selbstmordattentäter über propagandistische TV-Serien bis zu Dokumentationen über Sekten. Die 70 Arbeiten sind durchaus von einer gewissen Brisanz, die Macher sehen in ihrem Projekt aber keinen potenziellen Sprengstoff.

Boris Groys, der gemeinsam mit ZKM-Direktor Peter Weibel die Ausstellung entwickelt hat, lächelt auf die Frage nach dem möglichen Konfliktpotenzial. Der aus Russland stammende Philosophieprofessor an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung sieht das Projekt "Medium Religion" keineswegs als Provokation. Es gehe um eine Analyse der Wechselwirkungen zwischen Religion als Medium und den Medien, sagt er, und nicht darum, eine bestimmte Religion zu kritisieren. Die dänischen Mohammed-Karikaturen etwa, die in der islamischen Welt einen Aufruhr verursachten, hält Groys schlicht für "dumm".

Die Idee zur Ausstellung entstand aus einem Video, das Boris Groys vor zwei Jahren begleitend zu seinem Vortrag "Das Medium Religion" gedreht hat. Seitdem hat er viele ihm bekannte Künstler auf das Thema angesprochen und eine Fülle unterschiedlichster Arbeiten erhalten, zum Beispiel von einem israelischen Kollegen ein authentisches Abschieds-Video eines Selbstmordattentäters. Ohnehin sind in der Ausstellung überwiegend Video-Kunstwerke zu sehen, was einen großen Vorteil hat. "Nicht die Arbeit ist teuer, sondern die Ausrüstung", schmunzelt Groys, der sich um Transport- und Versicherungskosten keine Sorgen machen musste.

Ihm geht es nicht um Spiritualität, erklärt Groys, sondern um die politische Dimension von Religion. Dabei soll die Schau aber nicht selbst Position beziehen, sondern den Besuchern demonstrieren, wie sie selbst an der politisch-religiösen Bilderwelt teilnehmen. So befasst sich die Ausstellung nicht nur mit dem Islam in seiner mit modernen Massenmedien aufbereiteten Form. Auch die anderen monotheistischen Weltreligionen, das Judentum und das Christentum, werden von Künstlern aus dem jeweiligen Kulturkreis beleuchtet - teilweise durchaus "elegant blasphemisch", wie Groys einräumt.

Jerusalem als Zankapfel zwischen diesen drei Religionen nimmt ebenfalls einen Platz in der Ausstellung ein. Einige Arbeiten beschäftigen sich mit christlichen Fundamentalisten in den USA, die moderne Medien wie Film und Fernsehen für ihre Zwecke benutzen. Zu sehen sind außerdem verstörende Bilder von Krieg und Tod, geführt im Namen einer Religion. Aber auch skurril anmutende persönliche Bekenntnisse, wie ein tätowierter Rücken, den eine Madonna und ein Totenkopf mit Kreuz zieren. Oder ein in die Frisur integrierter Davidstern auf dem Hinterkopf eines orthodoxen Juden.

Unstrittig, das zeigt die Ausstellung, ist die Macht, die Bilder haben können. Gerade die fundamentalistischen Prediger in den USA nutzen diese Macht. Ausschnitte aus Fernsehpredigten zeigen, wie Gläubige gezielt aufgeputscht werden. Und nicht nur religiöse Führer erweisen sich als Virtuosen in der Herstellung einprägsamer Bilder. Die Ausstellung, die bis 19. April 2009 dauert, dokumentiert auch, wie sehr sich religiöse und politische Bilder manchmal gleichen. So trägt Che Guevara bisweilen christusähnliche Züge und übernimmt die quasi-religiöse Rolle des Märtyrers.

(ddp)


Erschienen am 19.11.2008

© Copyright ddp Nachrichtenagentur GmbH
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