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Gesundheit

Wenn der Duft zur Qual wird

Manch weihnachtlicher Aromaspender kann allergische Reaktionen auslösen


Foto: ddp

Göttingen/Hamburg (ddp). Weihnachten ist auch ein Fest für die Nase. Erst wenn der Geruch von Glühwein und gebrannten Mandeln durch die Innenstädte weht und es zu Hause nach Lebkuchen oder Zimtgebäck duftet, ist festliche Stimmung garantiert. Um der Atmosphäre etwas nachzuhelfen, setzen viele auf künstliche Geruchsverbesserer wie Duftkerzen, -öle oder Raumdeos mit weihnachtlicher Note. Für Allergiker und Menschen mit Atemwegsbeschwerden kann dies allerdings zur Belastung werden. "Manche Duftstoffe können allergische Reaktionen wie ein Hautekzem oder Hustenanfälle auslösen", warnt Professor Thomas Fuchs, Experte für Allergien und Hauterkrankungen an der Universität Göttingen.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind Duftstoffe nach Nickel die zweithäufigste Ursache für Kontaktallergien. "Einige Substanzen können Rötungen und heftige Entzündungen hervorrufen, wenn sie mit der Haut in Berührung kommen", erklärt Fuchs. Für das allergische Potenzial eines Duftes sei es unerheblich, ob es sich um ein vermeintlich natürliches Aroma handle oder um ein künstlich hergestelltes. Stoffe wie Eichenmoos oder das in vielen ätherischen Ölen enthaltene Linalool seien sehr potente Allergene.

Ob auch das bloße Einatmen von Duftstoffen für Allergien verantwortlich sein kann, ist unter Allergieforschern umstritten. Duftnoten wie Sandelholz, Lavendel oder Moschus stünden allerdings zumindest in Verdacht, die Ursache für solche sogenannten Inhalationsallergien zu sein, berichtet Fuchs.

Denn viele Allergiepatienten klagen über heftige Beschwerden, sobald sie starken Geruchseindrücken ausgesetzt sind. "Düfte neigen dazu, die Schleimhäute zu reizen", erläutert der Allergologe. Wer ohnehin bereits Probleme mit Entzündungen der Atemwege habe, könne durch aufdringliche Gerüche Hustenanfälle, Augenjucken, eine laufende Nase oder Atemnot bekommen.

Bekannt sind solche Krankheitsbilder unter anderem als multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS - Multiple Chemical Sensitivity) oder als Hyperosmie, als krankhaft gesteigertes Geruchsvermögen. "Die Forschung zu diesen Phänomenen steckt noch in den Anfängen", berichtet Dirk Petersen, Umweltberater bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Ein Grund für die geringe Zahl belastbarer Studien sind technische Schwierigkeiten: Die Aufdringlichkeit einer Geruchsbelästigung für das hochkomplexe menschliche Riechorgan kann durch technisch-analytische Verfahren nur schwer nachempfunden werden.

Für geruchsempfindliche Menschen kann insbesondere das Weihnachtsshopping zur Tortur werden. Denn Kaufhäuser und Geschäfte werfen gerade in der Vorweihnachtszeit gern maschinelle Bedufter an, um die Kunden zum Einkaufen zu animieren. Das künstlich erzeugte "Air Design" soll etwa Appetit machen auf Plätzchen, Glühwein oder andere Leckereien. "Das ist zum Teil schon eine ziemlich rabiate Beeinflussung des Unterbewusstseins", findet Petersen. Um Allergiker zu schützen, müssten künstlich beduftete Räume speziell gekennzeichnet werden, fordert der Verbraucherschützer.

Auch an anderen Orten sollten Allergiker auf der Hut sein - etwa beim Weihnachtsgottesdienst in der Kirche. "Es gibt einzelne Berichte, wonach das Einatmen von Weihrauch zu schweren allergischen Reaktionen geführt hat", berichtet Allergieforscher Fuchs.

Als Gegenmaßnahme kommt den Experten zufolge für Allergiker nur Verzicht in Frage. "Verzichten Sie auf alles, was duftet, dann gehen Sie auf Nummer sicher", sagt der Allergologe. Für Betroffene sei es schier unmöglich, sich über problematische Inhaltsstoffe von Duftwässerchen, Kerzen oder Ölen zuverlässig zu informieren. Verbraucherschützer Petersen schließt sich diesem Urteil an. Er rät zudem auch allergieunempfindlichen Menschen, beim Gebrauch von Duftkerzen regelmäßig zu lüften, um die Schadstoffkonzentration in der Raumluft möglichst niedrig zu halten.

(ddp)


Erschienen am 17.11.2008

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